Maler
Gofthes Leben, soweit bekannt
2017
Auf der TransNistrale kippt das Gofthe-Kugelbild (14 Mio. cbm, innen) durch einen Windstoß um
26.2.2012
Start Internetprojekt
1949-1999
Sodbrennen, Werke
1848
Gofthe geht als erster Künstler in den Untergrund
19.4.1813

Auf seiner Reise nach dem Bade Teplitz weilt Gofthe in Blasegast
1618-1648
Mehrere europäische Heere zerstören Gofthes Werke
1002-1496
Visionen
Etwa 9. Jh.
Gofthe will den Betrachter zum Nachdenken anregen
5 v. Chr.
Kopfschmerzen, Übelkeit
9 v. Chr.
Experimente mit der Steindruckschleuder
953-12 v. Chr.
Werke
1215 v. Chr.
Gofthe wird geboren (ohne Nachweis)

Über Gofthe:
Gregor Patzschke, Installationen

Ich lernte ihn kennen in der Zeit der großen Teuerung. Arbeit hatte keinen Sinn mehr, wir saßen und fraßen. Tranken natürlich auch. Eigentlich tranken wir fast nur. Er erzählte von seiner Arbeit, aber das interessierte mich nicht. Ihn interessierte es ja auch nicht, er dachte aber, das gehört dazu, dass man darüber redet. Eigentlich hätten wir viel lieber über Weiber geredet, aber das trauten wir uns nicht. Wir haben beide eine gute Kinderstube. Gehabt? Keine Ahnung. Jedenfalls zu schüchtern für solche Themen. Also redete er über Arbeit, ich sah den Weibern zu, wie sie über die Straße hasteten und versuchten, den Fahrmaschinen und der Teuerung auszuweichen. Eine spannende Zeit.

Künstler müssen zusammenhalten. Gofthe sah das auch so. Er war sehr großzügig. Man konnte immer eine Tüte Mehl bekommen bei ihm, oder Zucker. Butter. Was man so braucht als Maler. Für mich hatte das keinen Wert, ich mache Installationen. Naja, Müll konnte man sich auch borgen bei ihm, sogar vorsortiert. Er legte Wert auf das Sortieren. Er sagte, wenn sie ihn mal drankriegen, weil er sich keinen Kuchen mehr kaufen kann und den Staat anbetteln muss, dann muss er vielleicht selber den Müll sortieren, in einer Anlage, um sich nützlich zu machen. Dann wäre es schön, wenn der Müll nicht so unordentlich ankäme. Also dass da das Faulige und das Schimmlige und die Tiere nicht zwischen dem Kunststoff über das Band fahren, darauf legte er Wert. Ein Aspekt der Menschenliebe. Ha! Der Gofthe.

Ansonsten weiß ich kaum etwas über ihn. Er wollte immer abnehmen, obwohl er im Vergleich zu den anderen schon aussah wie ein Hemde. So sagen wir hier, wenn einer eher schmächtig geraten ist, lange Seiten und so. Junge, iss, du hast lange Seiten. So geht das hier zu. Er malte dann wie ein Besessener, aß nicht, produzierte einfach wie irre. Dann standen die Schinken rum, aber keiner kaufte Kunst, wegen der Teuerung, und das Geld, das er gehabt hatte, war inzwischen wertlos. Wir hätten in die Tapasbar gehen sollen, aber nein, er musste malen, und ich saß alleine da rum und wurde fetter und fetter. Dann kamen mir auch noch die Weiber abhanden. Und er hatte keine Farbe mehr, weil das Öl zu teuer wurde.

Mit seinem virtuellen Zeug kann ich wenig anfangen. Aber ich denke, es ist die Zukunft. Meine Installationen zum Beispiel, so ein Ziehauf! Da wird man blöde. Man astet das Zeug durch die Gegend, muss immer Skizzen und Fotos machen, dass man es wieder richtig zusammengelegt bekommt. Außerdem Ischias! Und wenn man andere ranlässt, schmeißen die den Krempel durcheinander oder ganz weg oder machen die Teile kaputt. Gofthe hat auch mal geholfen, der hat sich nicht so dämlich angestellt. Und Respekt für die Kunst anderer hat er. Ein feiner Kerl. Und dass es richtig war mit diesem virtuellen Kram, zeigte sich ja später, als ihm seine Schickse das Atelier abbrannte. Wie hieß die doch gleich? Egal. Immerhin hatte er ja diese Diskette, dieses Dingens, wo sein gesamtes Werk drauf ist. Das muss man sich mal vorstellen. Wenn ich mein Werk bei mir haben sollte, müsste ich Lokführer sein, und hinter mir ein Güterzug, mindestens 50 Waggons mit meinem Werk. Prost Mahlzeit. Allerdings, der Vorteil bei mir ist, es brennt niemals alles auf einmal ab, weil es einfach zu viel ist, und man kann das Zeug notfalls noch zum Altmetallhändler bringen.

Ansonsten? Vorname? Fehlanzeige. Kenne ich nicht. Wozu auch. Geburtsdatum? Im dunkeln. Er kannte auch keine Verwandten. Man könnte denken, er war schon immer da oder aus dem Nichts erschienen. Wie ein Untoter. Reisender im Nebel. Es ging ihm immer nur um sein Werk. Aber vielleicht auch nur um die Weiber. Wer weiß das schon.

An Gofthe:
Gisella Quarterbeck (24)

gofthe
ein hauch
ein nichts
stehe ich
vor deinem wort
trümmer
rauchend
du zürnst
nicht
wenn du doch
brüllen könntest
in den sturm
würde ich mich werfen
doch du
nimmst
dein werk
und gehst
wohin
soll ich bleiben
kann ich folgen
nein
bedeckt von asche
meine glut